Seite auswählen

These 1: Programme sind uninteressant

Menschen denken in Absichten, Aufgaben oder Bedürfnissen. Das Vorhandensein von Funktionen, verstreut in einer Vielzahl unterschiedlicher Programme, ist einfach nur mühsam. Computeranwender*innen sind gezwungen ständig zwischen verschiedenen Programmen hin und her zu wechseln, müssen sich in jedem Programm neu orientieren und in ihrem Arbeitsablauf selbst durch die Programme navigieren. Ein wirklicher Überblick, in welchem Programm welche Funktion zu finden ist, ist dabei oftmals nicht vorhanden.

Produzenten von Software grenzen ihr Produkt gerne von anderen Programmen ab, isolieren es und schaffen so jeweils ein eigenes kleines Universum, in dem sich Benutzer*innen zurechtfinden müssen. In der heutigen Welt müssen sich die Benutzer*innen den Programmen anpassen, lernen welche Funktionen in den jeweiligen Programmen zu finden sind und wie sie diese verwenden können.

Ein Foto wird mit dem Scanprogramm des Herstellers des Scanners eingelesen, abgespeichert, dann in einem Bildbearbeitungsprogramm geöffnet, dort zurechtgeschnitten, vielleicht farblich nachbearbeitet und wieder gespeichert. In einem Textverarbeitungsprogramm wird das Bild dann eingefügt und der Text rundherum geschrieben. Wieder wird das Ergebnis gespeichert, allerdings diesmal doppelt. Einmal im eigenen Format des Textbearbeitungsprogrammes – es könnte ja sein, dass es später noch einmal geändert werden soll – und einmal als, gelernt besser zum Austausch, PDF-Dokument. Das PDF-Dokument ist aber zu groß, um es so verschicken zu können, darum wird es mit Hilfe eines eigenen PDF-Komprimierungsprogramm verkleinert. Letztendlich darf es dann im E-Mailprogramm endlich ans Ziel weitergeleitet werden. Bereits an einem so winzigen Vorhaben sind bereits eine Handvoll Programme beteiligt, die alle unterschiedlich sind.

Auf mobilen Geräten, auf denen Programme plötzlich zu Apps wurden, steigert sich diese Situation sogar noch. Der Austausch von Daten und Dateien zwischen Apps ist teilweise sogar noch stärker eingeschränkt als beim Computerarbeitsplatz. Das Zusammenspiel aus mehreren Apps wird durchaus einmal zur Qual. Die Isolation von Apps ist eine Behinderung im Arbeitsablauf.

Produzenten von Software sollten nur Funktionen anbieten, auf die Benutzer*innen dann zugreifen und diese ihren Bedürfnissen nach ordnen und gemeinsam verwenden können. Das Einsperren von Werkzeugen in Werkzeugkästen, die unterschiedlich aufgebaut sind und die sich nicht der Werkstätte gerecht anordnen lassen, führt zu Ineffizienz, Verlorenheit und Frustration. Menschen wollen Funktionen verwenden, keine Programme. Programme sind uninteressant.

Über den Autor

Johannes Strodl

Johannes Strodl

Position

Ewig auf der Suche ist Johannes Strodl immer noch dabei herauszufinden, wer er ist. Im beruflichen Alltag bezeichnet er sich als Informatiker – schließlich sitzt er den lieben, langen Tag lang vor dem Computer und führt seit vielen Jahren begeistert IT-Projekte durch. In Wahrheit jedoch ist er vermutlich der kindlichen Warum-Phase nicht entwachsen und hat nie aufgehört neugierig zu sein. In der tiefen Überzeugung, dass alles in dieser Welt interessant ist und es unabdingbar ist, immerzu aufs Neue Fragen zu stellen, ist dieser Weblog wohl eine Mischung aus der Weitergabe jener Dinge, die sich auf dem Weg bereits entdecken ließen und einer Selbstfindung. Letztendlich sind die Rollen des Lernenden und des Lehrenden austauschbar und ununterscheidbar. Beruflich betreibt er eine eigene Website unter https://johannesstrodl.com.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Pin It on Pinterest